Hafenstandorte in der Ems-Achse

Ein wichtiges Kriterium in der Offshore-Windenergie sind die Standortfaktoren. Mit der geographischen Lage in der Ems-Achse sind die Windparks in der Nordsee schnell zu erreichen. Eine gut ausgebaute Hafen- und Verkehrsinfrastruktur sorgt dafür, dass von der zukünftigen Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa vor allem die Küstenregionen profitieren.

Häfen und ihre Funktionen

Entsprechend ihrer Funktion für die Offshore-Windenergie können Häfen in folgende Kategorien klassifiziert  werden:

  1. Großkomponentenhäfen erfüllen die folgenden vier Funktionen:
    Produktionshäfen: in direkter Hafennähe oder auf dem Hafengelände in Produktionsstätten werden ganze Windenergieanlagen bzw. Anlagenkomponenten gefertigt.
    Installationshäfen / Basishäfen: Vor Ort findet die Vormontage von Offshore-Windenergieanlagen statt. Hierfür müssen ausreichend und lastfähige Lagerungs- und Montageflächen vorhanden sein.
    Import- und Exporthäfen (Umschlaghäfen): Vom Hafen aus erfolgt die Verladung (Export) und Entladung (Import) von Offshore-Windenergieanlagen-Komponenten.
    Schutzhäfen: Mit ausreichend großen und geschützten Anlege- und Wasserflächen dienen die Häfen zum Schutz bei Schlechtwetter
  2. Servicehäfen werden zwischen Reaktionshäfen und Versorgungshäfen unterschieden
    Reaktionshäfen dienen als Ausgangspunkt für kurzfristige anfallende Reparaturarbeiten an den Offshore-Windparks. Wesentlich ist dabei die Nähe zu den Offshore-Windparks.
    Versorgungshäfen: Von hier aus werden sowohl Reaktionshäfen als auch die Offshore-Windparks versorgt. Die Häfen verfügen über eine entsprechend ausgebaute Infrastruktur bspw. Stätten für Betriebsmittel, Büro- und Personalräume.
  3. Forschungshäfen werden für die Installation von Teststandorten von Windenergieanlagen genutzt. Daneben sind Forschungshäfen auch durch spezielle Aus- und Weiterbildungsangebote und das Vorhandensein entsprechender Trainings- und Schulungseinrichtungen gekennzeichnet, die zur Mitarbeiterausbildung für den Einsatz an den Offshore-Windenergieanlagen genutzt werden.

Funktionen der Häfen der Ems-Achse

(Zum Anzeigen der Funktionen auf die Häfen klicken.)

Karte Häfen Ems-Achse Borkum Norddeich Emden Leer Papenburg Dörpen Emsland Borkum Norddeich Emden Leer Papenburg Dörpen Emsland
  • Borkum
  • Norden (Norddeich)
  • Emden
  • Leer
  • Papenburg
  • Dörpen (GVZ Emsland)
  • Emsland (Eurohafen)

Zukunftsperspektiven für Häfen in der Offshore-Windenergie

In den nächsten Jahren wird es den Häfen gelingen ihre Infrastruktur an die Anforderungen der Offshore-Windenergie anzupassen. Es werden sich Kompetenzzentren bilden, die verschiedene Marktteilnehmer der Offshore-Windenergieindustrie, wie Anlagenhersteller, Zulieferer, Servicedienstleister und die maritime Wirtschaft vereinen. Die hohen Anforderungen, die an Offshore-Häfen gestellt werden, lassen sich jedoch nicht in jedem Hafen erfüllen. Deshalb kooperieren Häfen untereinander. Kleinere Häfen in der Nähe zu den Windparks werden sich z. B. auf Service und Wartung der Offshore-Windenergieanlagen spezialisieren.

Starke Häfen in der Region Ems-Achse

  • Neben der in den Häfen der Region gebündelten Leistungsfähigkeit und Kompetenz verfügen die Häfen über besondere Standortvorteile durch die günstige geographische Nähe der Region zu den Offshore-Windparks in der Nordsee und im Besonderen für die Windparks im sogenannten „BorWin- und DollWin-Cluster“, also alle Windparks nördlich von Borkum.
  • Der Emder Hafen gilt als der drittgrößte Nordseehafen Deutschlands und als einer der bedeutendsten RoRo-Häfen Europas. Durch die Hafeninfrastruktur und ansässigen Marktteilnehmer ist Emden ein etablierter Hafen für die Offshore-Windenergie. Der Hafen verfügt über eine gute Hinterlandanbindung sowie ausreichend Lager- und Erweiterungsflächen.
  • Emden ist neben Cuxhaven und Wilhelmshaven einer der wenigen Schutzhäfen für die Offshore-Windindustrie.
  • Es bestehen Pläne, den Hafenbereich am Rysumer Nacken weiter auszubauen. Mit der Erschließung des großflächigen Areals (460 ha) könnte die Schwerlastfähigkeit der Flächen sowie das Freiflächenangebot weiter optimiert werden.

Hafenwirtschaft in der Offshore Windenergie

  • Zum Erreichen der Ausbauziele der Offshore-Windenergie bedarf es sowohl ausreichender Hafenkapazitäten als auch logistisches Know-how. Wesentlicher Treiber zur Umsetzung ist der politische Wille.
  • Im Bereich Logistik und Häfen gibt es einen Mangel an ausgereiften und erprobten Konzepten. Je nach Begebenheiten werden derzeit oft „ad hoc“-Lösungen herangezogen.
  • Derzeitige technologische Entwicklungen der Anlagen gehen in Richtung zunehmender Nennleistung. Mit zunehmenden Leistungen nehmen auch die Gewichte der Einzelkomponenten zu und stellen somit steigende Anforderungen an Häfen und Installations-Equipment.
  • Zukünftiges Potenzial besteht vor allem in der weiteren Entwicklung schwimmender Fundamente. Hier können die Windenergieanlagen komplett an Land montiert und zu ihrem Standort auf See geschleppt werden. Die wetterabhängigen und kostenintensiven Arbeiten auf See können somit verringert werden.
  • Benötigt werden vor allem große Lagerflächen und Plätze zur Vormontage der großen Anlagenkomponenten. Für 80 WEA z. B. sind ca. 80.000 bis 150.000 m2 Hafenfläche notwendig